01.02.2010 - Selbsteinladung

Nichts nehmen die Menschen so übel,
als wenn sie keine Einladung bekommen.

Oscar Wilde (irischer Schriftsteller 1854 - 1900)

Haben Sie schon einmal erlebt, dass Sie einem Verwandten oder guten Bekannten erzählt haben, was Sie demnächst vorhaben, und er ungefragt sagt: „Das ist eine gute Idee. Da komme ich mit.“ In solchen Situationen ist man dann manchmal überrascht und nicht immer hoch erfreut über diese neue Konstellation. Aber den Besuch einer Theaterveranstaltung, des Weihnachtsmarktes, des Silvesterballs oder beim Onkel einfach abzusagen, wäre dann auch nicht gerade die höfliche Lösung.

Diese Selbsteinladung geht in der Bibel ja noch weiter, als Jesus dem Zöllner Zachäus direkt ins Gesicht sagt: „Heute muss ich in deinem Haus zu Gast sein“ (Lukasevangelium, Kap. 19, Vers1-10). Hierbei kommt aber niemand auf die Idee, der Selbsteinlader würde einen Vorteil für sich selber suchen. Das ist dann eher vergleichbar mit der Zusage „ich komm mal bei dir vorbei“, wenn der Gesprächspartner von seinen häuslichen oder persönlichen Schwierigkeiten berichtet.

Deshalb können hinter Selbsteinladungen völlig verschiedene Motive stehen. Und das gibt es auch in der Politik. So ist schon von Adenauer bekannt, dass er 1960 – über seine Sprecher – hat verlauten lassen, er würde in den USA an einer Veranstaltung teilnehmen und bei dieser Gelegenheit im Weißen Haus vorbeischauen. Kennedy hatte ihn nämlich noch nicht eingeladen und Washington war über das Verhalten von Adenauer „not amused“ (s. Spiegel 48/1960).

Und so machen das auch heute noch die Politiker allerorten. Vor kurzem hatte ich noch gelesen, dass sich Frau Merkel bei Anne Will auch einmal selbst eingeladen hatte. Und zwar nicht, um dem deutschen Volk ihre Ziele oder Programme zu unterbreiten, sondern nur, um daran zu erinnern, dass es sie gibt. So hat es jedenfalls der Stern beurteilt (Medienkolumne vom 30.03.2009).

Und nun die Sache mit Herrn Rüttgers. Er ist der selbsternannte Arbeiter- und Wirtschaftsführer und lässt keine Veranstaltung aus, bei der ausreichend viel Presse anwesend ist. Man kann ihn auch als professionellen Selbstdarsteller bezeichnen. Jetzt will er auch noch Spaßmacher der Nation sein, obwohl ich den Eindruck habe, dass er zum Lachen eher in den Keller geht, damit man ihm nichts ans Zeug flicken kann. Ich würde meinen letzten Hut darauf verwetten, dass die Einladung vom Aachener Karnevalsverein zur Verleihung des Ordens „Wider den tierischen Ernst“ so kurz vor der Landtagswahl eine professionelle Selbsteinladung von Herrn Rüttgers ist. Aber wenn er uns schon auf seine Art und Weise seit Jahren zum Narren hält und versucht, uns an der Nase herumzuführen, dann steht ihm dieser Orden auch zu. Oder?

Ihr
Erler.Nordlicht@gmx.de

Nachwort

Die Verleihung des Ordens hat bereits am Samstag (30.01.2010) stattgefunden. Ca. 10 Zeitungen und Informationsquellen haben am Sonntag darüber im Internet berichtet, und zwar alle mit (fast) identischem Text. Wer wird ihn wohl geschrieben oder verbreitet haben? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Oder?

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