03.06.2013 >>> Die Zweitstimme entscheidet

Ich kann immer wählen, aber ich sollte wissen,
dass ich auch dann wähle, wenn ich nicht wähle. 
Jean-Paul Sartre ,(franz. Philosoph, 1905 – 1980)
 

Seit 1953 gibt es bei der Wahl zum Bundestag das System der zwei Stimmen. Dabei wird mit der „Erststimme“ der jeweilige Kandidat des Wahlbezirkes direkt in den Bundestag gewählt. Dies ist jedoch für die Sitzverteilung der Parteien in Berlin völlig unmaßgeblich.

Die Bezeichnung für die weitere Stimme als „Zweitstimme“ ist darum sehr missverständlich. Denn nur über diese Stimme werden die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag bestimmt. Deshalb wird diese wichtige Stimme in einigen Bundesländern auch als Parteienstimme (Sachsen-Anhalt), Listenstimme (Sachsen) oder Landesstimme (Thüringen, Rheinland-Pfalz, Hessen) bezeichnet. Denn „Zweitstimme“ klingt immer etwas minderwertig und unwichtig.

Das nutzen die kleineren Parteien gerne aus, weil sie dann auf einen Mitleidseffekt spekulieren und die Wählerinnen und Wähler in den Glauben versetzen, dass sie als kleine Partei eben „nur“ die zweite Stimme haben wollen. In Wahrheit wird aber ausschließlich mit dieser „Zweitstimme“ die Zusammensetzung des Bundestags bestimmt. Mit der „Erststimme“ wird eben allein gewählt, welche Person dann den Wahlkreis im Bundestag vertreten soll. Das ist natürlich keineswegs unwichtig, sagt aber nichts über die politischen Mehrheiten aus, die für unser Wohl in den nächsten Jahren sorgen sollen.

Wer also die Mehrheitsverhältnisse in Berlin ändern möchte, kann dies nur mit der „Zweitstimme“ erreichen. Und bei alledem möge nie vergessen werden, dass man in jedem Fall wählen sollte, da man als Nichtwähler die Parteien unterstützt, die eigentlich ohne Bedeutung sind. Denn durch eine geringere Wahlbeteiligung stärkt man prozentual diejenigen, die sich auf ihre Anhänger verlassen können. Auch das ist leider nicht jedem bewusst. Oder? 

Ihr 
Erler.Nordlicht@gmx.de

 
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