05.07.2010 - Meinungsumfragen

Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels
nach dem Brunnenrand.

Fernöstliche Weisheit

Meinungsumfragen sind heute ein beliebtes Mittel, um Ansichten, Einstellungen, Stimmungen oder Wünsche der Bevölkerung herauszufinden. Die Vor- und Nachteile sowie die Unterschiede von wissenschaftlichen Repräsentativumfragen einerseits und manchmal sogar erfundenen Ergebnissen andererseits möchte ich hier gar nicht vertiefen.

Mehr gestört hat mich die Art und Weise der Umfragen, die schon bald nach der NRW-Wahl am 09.05.2010 ermitteln wollten, was die Menschen von den verschiedenen Koalitionsmöglichkeiten in NRW halten. So sollen z. B. 53% der Bevölkerung eine rot-rot-grüne Koalition abgelehnt haben. Hätte man zuvor erst mal festgestellt, ob die Befragten überhaupt gewählt haben, so hätte man über 40 % Nichtwähler von dem Ergebnis in Abzug bringen müssen. Denn es ist schon seltsam, dass auch diejenigen, die sich am demokratischen Wahlprozess überhaupt nicht beteiligen, anschließend die Meinung des Volkes über politische Konstellationen wiedergeben sollen. Wer nicht wählen geht, darf hinterher nicht meckern; er ist vielmehr mit verantwortlich dafür, dass es zu diesen teilweise schwierigen Situationen überhaupt gekommen ist.

Vielleicht könnte man dieses Verhalten dadurch verändern, dass man bei Umfragen als erstes nachhakt, ob der zu Befragende an der letzten Wahl überhaupt teilgenommen hat. Wenn das verneint wird, sollte auch deutlich gesagt werden, dass die Meinung von Wahlverweigerern zum Ergebnis der Wahl auch nicht gefragt ist. Es wäre zu schön, wenn es dann bei diesen Menschen „klick“ machen würde und sie erkennen, dass sie in unserer Demokratie doch nicht so unwichtig sind, wie sie häufig glauben. Dann werden sie sich beim nächsten Mal hoffentlich dazu überwinden, wählen zu gehen oder schon im Vorfeld an der Briefwahl teilzunehmen. Oder?

Ihr
Erler.Nordlicht@gmx.de

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