10.10.2011 >>> Steuerlose Deutsche

Wer alles bloß des Geldes wegen tut,
wird bald des Geldes wegen alles tun.
Italienisches Sprichwort

Was mit „Steuern“ gemeint ist, kann man nicht sofort auf den ersten Blick verstehen.

Zum einen ist es natürlich das Lenken, also z. B. Regeln schaffen und umsetzen. Der deutsche Staat kümmert sich aber auch sehr um seine Bürgerinnen und Bürger, indem er ein Umfeld schafft, in dem sich gut und sicher leben lässt. Deutsche werden z. B. selbst dann nicht an andere Staaten ausgeliefert, wenn sie dort einen Mord begangen haben sollten. Und umgekehrt wird alles Mögliche in Bewegung gesetzt, wenn Deutsche im Ausland in Schwierigkeiten geraten, bis hin zur Befreiungsaktion (Stichwort: Mogadischu).

„Steuern“ erfordert aber auch Steuern, also Abgaben. Und da macht es mich sehr nachdenklich, wenn mehr und mehr Deutsche, nachdem sie ein höheres Einkommen erreicht haben, ihren Wohnsitz ins Ausland verlagern. Damit entziehen sie sich den Steuerpflichten, ohne natürlich ihre sonstigen Rechte als Deutsche zu verlieren.

Die Schumachers, aber auch unser Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel (so sehr ich mich auch für ihn freue) müssten sich doch eigentlich schämen, wenn für sie die deutsche Nationalhymne gespielt wird. Und die Produkte derjenigen Deutschen, die an der „Züricher Goldküste“ wohnen, sollte man letztlich im Regal stehen lassen und mit Verachtung strafen.

Leider gibt es weltweit noch viel zu viele Steuer-Schlupflöcher, obwohl immer wieder versucht worden ist, internationale Regelungen gegen Steuerhinterziehung und die Ungleichbehandlung von Armen und Reichen zu treffen.

Das läuft in den USA übrigens ganz anders, da jeder Amerikaner grundsätzlich Steuern zahlen muss, auch wenn er im Ausland lebt. Natürlich wird dabei berücksichtigt, welche Steuern er anderweitig zu zahlen hat. Aber “ungeschoren“ kommt eben auch der nicht davon, der in eine „Steueroase“ flüchtet. Da selbst amerikanische Bürgerinnen und Bürger mit einer zweiten Staatsangehörigkeit in den USA steuerpflichtig sind, gehören sie in Monaco nicht zu den vielen Steuerflüchtlingen.

Warum wird eine Regelung wie in den USA nicht auch in Deutschland eingeführt? Sollten die deutschen Spitzensportler sich allein aufgrund der hiesigen Steuersätze ins Ausland zurückziehen, dann könnten sie bei einer Steuerpflicht in Deutschland überlegen, ob sie die deutsche Staatsbürgerschaft gegen eine andere austauschen. Wenn sie aber für Panama oder Andorra starten, kann ich mir gut vorstellen, dass das Interesse in Deutschland an den entsprechenden Sportarten und Personen rapide nachlässt. Also sollte sich doch jeder Einzelne sehr gut überlegen, was ihm wirklich wichtig ist. Oder?

Ihr
Erler.Nordlicht@gmx.de

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