15.11.2010 - Etikettenschwindel

Die schlimmste Art der Ungerechtigkeit
ist die vorgespielte Gerechtigkeit.

Platon (griechischer Philosoph, 428 – 348 v. Chr.)

Übergewicht wird auch als Volkskrankheit Nr. 1 bezeichnet. Nun möchte ich mich nicht mit der Frage auseinandersetzen, wann jemand übergewichtig ist und wann man so etwas als krankhaft bezeichnen kann. Aber in vielen Fällen ist für jedermann sichtbar, dass der Körper eines Menschen im Ungleichgewicht ist. Damit ist die Wirkung auch offensichtlich, die ein zu reichliches Essen oder Trinken haben kann. Doch über die Ursache, die zu diesem Verhalten geführt hat, ist damit noch nichts gesagt. Und Gründe gibt es sicherlich zahlreiche.

Noch gestern habe ich in einem Spitzenrestaurant den Chefkoch gesehen, der wirklich „unübersehbar“ war. Es kann durchaus sein, dass er nicht einmal mehr in der Lage ist, mit seinen eigenen Händen seine Schuhe zuzubinden, und deshalb war er nicht nur übergewichtig, sondern fettleibig. Aus dem Fernsehen kennt man aber auch Spitzenköche, die ohne weiteres an sportlichen Wettkämpfen teilnehmen könnten. Auch diese müssten eigentlich durch das tägliche Probieren ihrer hochwertigen Produkte gewichtsmäßig zulegen. Haben die beiden verschiedene Gene? Treiben die einen Ausgleichsport? Gibt es die Bulimie auch schon bei Köchen? Oder arbeiten sie mit unterschiedlichen Zutaten?

Neben den rein medizinischen Ursachen wie genetischen Faktoren, Stoffwechselstörungen, Unverträglichkeiten bei Lebensmitteln und den Nebenwirkungen von Medikamenten können auch psychologische Störungen zur Esssucht und anderem Fehlverhalten führen. Aber das ist ja alles schon rauf und runter gekaut worden. Obwohl diese ganzen Faktoren auf uns vielleicht nicht zutreffen, nehmen wir trotzdem unerwünscht zu.

Sehr gewundert habe ich mich daher, als ich durch verschiedene Fernsehsendungen und Berichte erfahren habe, mit welchen Tricks die Lebensmittel-Industrie dafür sorgt, dass wir beim Essen nicht das Hungergefühl verlieren bzw. das Sättigungsgefühl unterdrückt wird. Hierzu zählen insbesondere Glutamate. Diese führen dann zur Überernährung, bei der man dem Körper mehr Energie zuführt als Bedarf besteht. Dabei geht es ganz schlicht um die Manipulation unseres Körpers von außen mit dem Ziel, die Umsätze und Gewinne zu steigern.

Ähnlich ist das auch mit dem Werbespruch „Weniger Zucker“. Denn das heißt noch lange nicht, dass hier weniger Kalorien zu finden und diese nicht ganz einfach durch Fette ersetzt worden sind.

Aber schauen wir immer nach, welche Inhaltsstoffe in den Lebensmitteln sind, die wir im Supermarkt kaufen?

Geradezu schockiert bin ich über den krassen Unterschied zwischen den hoffnungsvollen Aussagen auf den Packungen und dem tatsächlichen Inhalt. Auf einem Schokoladenpudding von Dr. Oetker steht z.B. ganz deutlich: „75 Prozent Kakao in der Schokolade“. Das klingt überzeugend - und es stimmt sogar. Aber es ist nur ein Rechentrick, denn wenn man genauer hinschaut, kann man in der Zutatenliste lesen, dass in diesem Pudding nur 2,5 % Schokolade verarbeitet worden sind, also 1.875 % Kakao. Die übrigen 98 % bestehen aus – minderwertigem – Mehl, Fett, Zucker und Aromastoffen. Weitere Beispiele für Etikettenschwindel finden Sie in der „Servicezeit“ vom WDR.

Bemerkenswert war auch die „Pilzsuppe“, in der nur handgepflückte Steinpilze verarbeitet sein sollen. Auch das will ich nicht bestreiten. Allerdings enthielt die Tüte nur 2 % Pilze. Woraus die anderen 98 % bestehen kann man da schon ahnen.

Hier ist das eigentliche Problem, dass einerseits die Hersteller einen völlig falschen Eindruck über den Inhalt vermitteln und andererseits wir als Kunden noch nicht gelernt haben, die Angaben über den Inhalt aufmerksam zu lesen und richtig zu interpretieren. Und in der vorweihnachtlichen Zeit der vielen verlockenden Angebote ist das besonders schwierig. Die kleine Hilfe, die uns eine Farbkennzeichnung auf den Packungen („Ampel“) gebracht hätte, konnte in Deutschland von der Lobby der Lebensmittelindustrie erfolgreich verhindert werden. Und uns werden deshalb die versteckten Dickmacher weiter untergeschoben. Schade! Oder?

Ihr
Erler.Nordlicht@gmx.de

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