20.09.2010 - Sozusagen

Wer viel spricht hat weniger Zeit zum Denken.
Indisches Sprichwort

Jeder hat schon einmal einen sogenannten Ohrwurm gehabt. Da hört man in seinem Inneren immer wieder ein Musikstück, das einen nicht los lässt und die Gedanken für andere Dinge mehr oder weniger einschränkt. Dabei hat auch jeder Einzelne seinen eigene Methode entwickelt, diese Melodie wieder aus dem Kopf zu bekommen; meistens durch andere Musikstücke und möglichst durch solche, die sich zwar schön anhören, die man aber kaum oder gar nicht mitsummen kann.

Nun gibt es aber auch Dinge, die einem bei anderen besonders stark auffallen. So geht es mir zurzeit, wenn ich auf „Sozusagen-Sager“ treffe. Dieses nichtssagende Blähwort dient dem Redner oft dazu, Zeit zu gewinnen, um einen angefangenen Gedanken zu Ende zu bringen. Wenn ich dann höre, wie eine professionelle Moderatorin im Fernsehen in einem einzigen Satz dreimal das Wort „sozusagen“ verwendet, dann hat sie wohl ihre Gedanken nicht richtig zusammen. Und das kann dann bei mir wiederum zur Unkonzentriertheit führen, so dass ich - wie bei der Fehlersuche auf einem Bild - mehr auf die Wiederholung dieses Wortes achte als auf den Inhalt der Rede.

Natürlich kann ein „sozusagen“ bei richtiger Anwendung durchaus sinnvoll sein. So gibt es keinen König von Mallorca, obwohl sich einige so verhalten, als wären sie es gewissermaßen, quasi oder eben sozusagen.

Meistens wird es aber gedankenlos als Füllwort eingestreut und erzeugt damit Sprachmüll, der zum Verhunzen der deutschen Sprache führen kann. Besonders massiv und ernsthaft wird die Kritik, wenn von einem Angriff auf die deutsche Sprache und einer Verschmutzung der Kultur des deutschen Volkes die Rede ist.

Das geht mir dann doch etwas zu weit und ich ertrage diese Sprechblase mit Geduld, um später eventuell nachzulesen, was ich verpasst habe. Denn beim geschriebenen Wort kommt dieses Adverb nur selten vor. Oder?

Ihr
Erler.Nordlicht@gmx.de

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