21.02.2011 - Kassenärzte

Geld heilt die Krankheiten nicht, sondern nur die Symptome. John Steinbeck (amerik. Autor, 1902 – 1968)
Wie bereits Anfang des Jahres angekündigt, möchte ich mich in den nächsten Monaten immer wieder ’mal mit verschiedenen Gruppen beschäftigen, die mit den Gesundheitsreformen in Zusammenhang gebracht werden. Nach den Krankenkassen möchte ich diesmal etwas mehr Licht in die Geschichte der Kassenärzte bringen. Auch wenn Ärzte bei uns in Deutschland keine „Götter in Weiß“ mehr sind, so sind sie nach wie vor zu recht sehr hoch angesehen. Daran möchte ich mit meinen nachfolgenden Überlegungen auch in keiner Weise „kratzen“. Ich versuche in diesem Zusammenhang nur den Dschungel des Gesundheitswesens zu durchdringen, der für die meisten von uns immer noch schwer durchschaubar ist. Jeder ausgebildete Arzt darf überall in Deutschland eine Praxis eröffnen. Deshalb kommt es auch heute noch vor, dass ein Mediziner im Sommer als Badearzt an der Küste und im Winter in den Skigebieten tätig ist. Das sind allerdings immer Privatärzte, die mit der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nichts zu tun haben. Als diese 1883 eingeführt wurde, gab es nur Einzelverträge zwischen den zahlreichen Krankenkassen und Ärzten. Da sehr viele Mediziner praktizierten, konnten die Krankenkassen die Verträge vorgeben. Diese finanzielle Abhängigkeit, die oft auch die Behandlung von Patienten anderer Kassen untersagte, führte zu Arbeitskämpfen der Ärzte, die 1913 sogar einen Generalstreik beschlossen hatten. Und es gab damals wirklich viele Doktoren, wie in „Der Arzt um die Jahrhundertwende“ zu lesen ist:
    „Inzwischen liegt die Arztdichte mit zunehmender Tendenz bei 1 : 280, in Berlin schon unter 200, und wenn es so weiter geht, wird jeder primär-produktiv Arbeitende seinen eigenen Rentner, Arzt, Anwalt, Psychologen, Richter, Apotheker, Steuerberater ... haben - wenn er sie nicht erschlägt.“
Erst 1931/1932 wurde das System der Einzelverträge mit den Medizinern abgeschafft und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) als Vertragspartner der Krankenkassen gegründet. Grundlegend ist dabei das Prinzip der Selbstverwaltung, das – wie bei den Krankenkassen – bis heute erhalten ist. Wenn ein Arzt also gesetzlich Versicherte behandeln wollte, musste er in der – örtlich zuständigen - KV aufgenommen werden und von ihr einen Geschäftsbereich zugeordnet bekommen, der früher räumlich begrenzt war und deshalb an die noch immer geltenden Regeln für die Kehrbezirke bei den Schornsteinfegern erinnert. So hat bis vor wenigen Jahren noch jeder „Knappschaftsarzt“ seinen „Sprengel“ gehabt. Alle Patienten der Knappschaft, die in diesem Bereich wohnten, mussten die Diagnose und Behandlung ihres Leidens bei ihm – und nur bei ihm – beginnen und wurden dann ggf. an Fachärzte „überwiesen“, die ebenfalls Verträge mit der Knappschaft haben mussten. Da hat sich inzwischen viel geändert, sogar bis zur Bezeichnung der Ärzte, auch wenn niemand so richtig verstanden hatte, warum ein Jahrhundert lang die „Primärkassen“ von „Kassenarzt“ und die „Ersatzkassen“ von „Vertragsarzt“ geredet haben. Aber eine der vielen Gesundheitsreformen hat es dann neu geregelt: Die Vertragspartner der gesetzlichen Krankenkassen heißen heute alle „Vertragsarzt“. Das war doch einmal eine echte „Reform“! Viel interessanter ist für die Patienten, dass sie heute nicht mehr an einen bestimmten Arzt gebunden sind, weder räumlich noch von der Fachrichtung her. Dafür gibt es bei den Ärzten jede Menge Organisationen, denen sie angehören müssen oder möchten, angefangen bei Ärztekammern, KBV und KZBV über Marburger Bund und Hartmannbund sowie den fachgruppenspezifischen Berufsverbänden wie Verband der niedergelassenen Ärzte, Deutscher Hausärzteverband, Bund Deutscher Internisten, Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Freier Verband deutscher Zahnärzte, Berufsverband der Augenärzte usw. usw. Übrigens sind die kassenärztlichen Vereinigungen in der gesundheitspolitischen Diskussion heute nicht ganz unumstritten, da sie fast schon einen Monopolcharakter haben und mit einem Kartell verglichen werden. So können die Krankenkassen heute bereits Direktverträge mit einzelnen Leistungserbringern abschließen, die sich wiederum in Gruppen zusammengeschlossen haben. Und in Bayern hatte es dabei im letzten Jahr heftig gekracht, als dort der Hausärzteverband die Revolte probte. Doch bei alledem schaut der Patient nur zu und wundert sich allenfalls, dass eine „Gesundheitsreform“ die nächste jagt und er viel zu oft auf der Strecke bleibt. Und dabei werden die meisten nicht einmal wissen, dass sie – indirekt - zur Mitwirkung am 1. Juli diesen Jahres aufgerufen sind. Da sind nämlich die Sozialwahlen. Aber das ist gegenüber dem, was die Ärzte, Krankenkassen und Pharmaindustrie aufzubieten haben, verdammt wenig Einflussnahme. Oder? Ihr Erler.Nordlicht@gmx.de Siehe auch:

Termine

 

 

Meldungen

Falls Sie Rechtsfragen haben, könnte Ihnen
diese Seite weiterhelfen.

Jusos in Gelsenkirchen

Aktiv bei Facebook    
Internetseite     
Siehe auch:     
Ückendorfer Falken (Spunk)    
Jusos in NRW     
Jusos    

WebsoziInfo-News

10.11.2019 20:26 Die Grundrente kommt!
Frauen und Männer, die nur wenig Rente haben trotz eines langen Arbeitslebens, werden künftig spürbar mehr in der Tasche haben. Die Grundrente kommt! Auf die Einzelheiten haben sich heute die Spitzen der Großen Koalition geeinigt. Die kommissarische SPD-Vorsitzende Malu Dreyer lobt den Kompromiss als „sozialpolitischen Meilenstein“. weiterlesen auf https://www.spd.de/aktuelles/grundrente/

10.11.2019 17:18 Die Grundrente kommt!
„Eine Grundrente, die ihren Namen verdient, steht“, freut sich SPD-Fraktionsvizin Katja Mast nach der Einigung der Koalition. Die Lebensleistung der Menschen steht im Mittelpunkt. „Der Knoten ist geplatzt – das ist gut. Wir haben immer gesagt, dass die Lebensleistung der Menschen im Mittelpunkt stehen muss. Ich bin unserem Verhandlungs-Team rund um Arbeitsminister Hubertus Heil und

09.11.2019 11:26 „Die Ideale der Friedlichen Revolution bestehen fort“
Vor 30 Jahren wurde die ganze Welt Zeuge, wie mutige Frauen und Männer die Berliner Mauer überwanden. Mauern fallen, wenn Menschen sich friedfertig und mutig versammeln, um Unrecht und Willkür zu überwinden. Mauern fallen, wenn Menschen allen Mut aufbringen, um in einer freien und gerechten Gesellschaft zu leben. Unsere freie Gesellschaft, die vor 30 Jahren

06.11.2019 17:12 Was die SPD in der Regierung geschafft hat
Bestandsaufnahme zur Halbzeit der Wahlperiode Zwei Drittel der SPD-Mitglieder haben vor zwei Jahren entschieden, dass wir in der Regierung wichtige sozialdemokratische Ziele umsetzen sollen. Und sie haben uns beauftragt, in der Mitte der Wahlperiode die Leistung der Koalition zu überprüfen. Grundlage dafür ist die Bestandsaufnahme der Bundesregierung. Eine Bewertung nimmt dann der Parteitag im Dezember

05.11.2019 17:23 Auch neue Gentechniken und ihre Produkte müssen sicherheitsüberprüft und gekennzeichnet werden
Carsten Träger, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, äußert sich zur heutigen Gentechnik-Anhörung im Ernährungsausschuss. „Bei neuen Gentechniken wie CRISPR/Cas haben wir durch das Urteil des Europäischen Gerichtshof aus 2018 eine glasklare Rechtslage, die keine Wünsche offenlässt. Experten haben dies in der heutigen Anhörung erneut bestätigt. Wir brauchen keine Novelle der geltenden EU-Freisetzungsregelung für genveränderte Pflanzen. Die Vermeidung

Ein Service von websozis.info

Counter

Besucher:1244351
Heute:87
Online:1