22.03.2010 - Vergleichen

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks
und der Anfang der Unzufriedenheit.

Søren Kierkegaard (dänischer Philosoph, 1813-1855)

In den naturwissenschaftlichen Bereichen ist das Vergleichen die Basis des Fortschritts. Nur so kann herausgefunden werden, was dem Menschen hilft, sein Leben angenehmer zu gestalten. Schneller, weiter und höher geht eben nur, wenn man vorher und nachher vergleicht.

Wenn wir uns aber im sozialen Bereich selber mit anderen Menschen vergleichen, führt es zu seltsamen Ergebnissen. Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem Betrieb beschäftigt und Ihr Chef überfällt Sie mit der Meldung, dass Sie ab sofort 300 € mehr im Monat erhalten. Wer freut sich da nicht und malt sich aus, was man mit dem Geld alles machen kann? Der eine erzählt es dann weiter, der andere behält es für sich.

Diese Freude wird aber ins Gegenteil umschlagen, wenn Sie erfahren, dass alle anderen in der Firma jetzt 500 € mehr im Monat bekommen. Aus großer Freude wird tiefe Unzufriedenheit, obwohl keiner Ihrer neuen Pläne und Wünsche damit in Frage gestellt wird. Und schon verändert dieser Vergleich unsere Selbsteinschätzung und es beginnt eine Neiddebatte.

Eine ähnliche Situation gab es in einem Test, bei dem man sich eine Gruppe aussuchen konnte, der man angehören möchte. In der einen Gruppe sollte man selbst 110.000 € erhalten, alle anderen nur 100.000 €. In der anderen Gruppe bekam man 120.000 € und alle anderen aber 130.000 €. Nun raten Sie mal, zu welcher Gruppe die meisten Testpersonen gehören wollten. Und das, obwohl sie objektiv 10.000 € weniger in der Hand gehabt hätten.

Dieser vergleichende Neid ist in Deutschland besonders stark ausgeprägt. Wenn hier jemand von einem anderen hört, der mehr verdient als man selber, kommt meistens Unzufriedenheit auf. In Amerika wird das größtenteils anders gesehen. Dass der andere mehr verdient ist ein Beleg dafür, dass man tatsächlich auch mehr erhalten kann, wenn man sich anstrengt. Das ist also ein Anreiz, dem nachzueifern, und nicht unglücklich zu sein, es bisher noch nicht geschafft zu haben.

Dieses Neidverhalten gilt für alle sozialen Bereiche. Dass Unzufriedenheit auch dort zu finden ist, wo es am Geld nicht mangelt, habe ich ja vor fast einem Jahr schon einmal angesprochen (Glück). Dies wird noch gesteigert durch das, was der Manager Willi Weber (Michael Schumacher) neulich im Fernsehen erzählt hat. Ein guter Bekannter habe ihn – mit verzweifelter Stimme am Telefon - um Rat gefragt, was er denn tun solle. Ein anderer Milliardär habe gerade dieselbe Yacht bestellt wie er, nur sei sie 5 Meter länger. Das quäle ihn und habe ihm schon schlaflose Nächte bereitet. Webers Ratschlag: „Spring aus dem Fenster, denn anders ist dir nicht zu helfen.“

In Gesundheitsfragen läuft der Vergleich dann wieder anders herum. Krebspatienten neigen eher dazu, sich mit Personen zu vergleichen, denen es schlechter geht, als ihnen selbst. Stellen Sie sich vor, Sie würden Ihre finanzielle und gesellschaftliche Situation auch mit denen vergleichen, die weniger haben und denen es schlechter geht. Es müsste ein dauerhaftes Glücksgefühl sein. Oder?

Ihr
Erler.Nordlicht@gmx.de

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