25.04.2011 - Krankenhäuser

Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen:
Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.
Winston Churchill (engl. Politiker, 1874 – 1965)
 

Krankenhaus ist ein Thema, mit dem sich keiner gerne beschäftigt. Sofern es nicht um eine glückliche Geburt geht, besucht man diese Einrichtung nämlich meistens, weil man selber ärztliche Hilfe braucht oder jemanden besucht, der geheilt oder gepflegt werden möchte.

Das war nicht immer so, wenn man die Geschichte der Krankenhäuser betrachtet. Schließlich waren es als Hospitäler auch einmal Stätten der Versorgung für Arme und Unterkünfte für Pilger, die von Mönchen und Nonnen betreut wurden. Diese Form ist im 19. Jahrhundert mehr und mehr abgelöst worden durch die Gründung allgemeiner Krankenhäuser, die sich heute zu Dienstleistungsanbietern im Sektor des Gesundheitswesens entwickelt haben. Die Angebote gehen dabei bis zu den Schönheitskliniken, die mit herkömmlichen Krankheiten nur selten etwas zu tun haben.

Doch auf die Einzelheiten der vielfältigen Leistungen, die von der Lehre und Forschung in den Universitätskliniken bis zur ambulanten Notfallversorgung auf dem Lande reicht, möchte ich hier nicht näher eingehen. Bei aller Vielfalt und Technik bleibt festzuhalten, dass die Krankenhäuser immer noch die meisten Kosten bei den Krankenkassen verursachen, und zwar mehr als ein Drittel aller Ausgaben.

Im Verhältnis der Krankenkassen zu den Krankenhäusern hat sich - wie gegenüber den Ärzten und Apotheken - in den letzten Jahren auch eine Menge verändert. Während früher noch jede Krankenkasse vorschreiben konnte, in welches Krankenhaus ihre Klientel zu gehen hatte, besteht heute für die Patienten grundsätzlich eine Wahlfreiheit. Von den 2166 Kliniken, die es 2004 in Deutschland gab, wurden 36% von öffentlichen Trägern (Bund, Länder, Kreise und Gemeinden) betrieben.

Das hat auch zu unterschiedlichen Versuchen geführt, die Kosten des Einzelfalls durch Pauschalen für Fallgruppen zu ersetzen, um über einen wirtschaftlichen Wettstreit die unwirtschaftlichen Krankenhäuser zur Aufgabe zu zwingen. Und es hat dazu geführt, dass die Zahl privater Krankenhäuser von 1996 bis 2007 um knapp 42 Prozent gestiegen ist. Fast jedes dritte der insgesamt rund 2.100 Krankenhäuser wird heute von privaten Klinikketten betrieben. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft schätzt übrigens, dass davon bis 2014 ungefähr 330 Krankenhäuser überzählig sein werden; andere Schätzungen gehen bis zur doppelten Anzahl.

Während früher die Pflegesätze individuell verhandelt wurden, heißt das derzeitige Verfahren DRG: Diagnosis Related Groups, deutsch Diagnosebezogene Fallgruppen. Aber das sind Dinge und in einer Sprache, die den Kassenpatienten ja gar nichts anzugehen scheinen. Der kann sich höchstens darüber wundern, dass er heute schneller das Krankenhaus verlassen muss, als es früher der Fall war. Dabei wird manches Mal auch behauptet, die Genesung erfolge außerhalb des Hauses besser, auch wenn das – abgesehen von der Infektionsgefahr - nicht immer richtig sein wird.

Für das Aushandeln der Fallpauschalen und der Qualität der Behandlung mit den Krankenkassen gibt es bei uns 16 Landeskrankenhausgesellschaften, die Ihrerseits in der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zusammengefasst sind.

Warum erzähle ich eigentlich von diesen Dingen? Es gefällt mir nicht, dass immer wieder von „Gesundheitsreform“ geredet wird und kaum ein Kassenpatient auch nur ansatzweise wissen kann, worum es eigentlich geht. Oder sind Sie von Ihrer Krankenkasse schon einmal über die Zusammenhänge informiert worden, die ich hier nur leicht angerissen habe?

Und was brachte die letzte „Reform“ von Herrn Rösler? Der Sparbeitrag der Krankenhäuser lag bei rund 450 Millionen Euro. Sie müssen pauschale Abschläge für teure Behandlungen hinnehmen. Dazu meinte die WAZ am 11.11.2010: „Pauschale Kürzungen sind immer willkürlich. In den Kliniken treffen sie aber vor allem die schwächsten Glieder, nämlich die Angestellten. Die Kliniken werden noch mehr am Pflegepersonal sparen und noch öfter ganze Gruppen wie Reinigungskräfte als Leiharbeiter auslagern.“ Und das stimmt. Denn von den jährlichen Ausgaben der Krankenhäuser für stationäre Behandlungen in Höhe von ca. 60 Milliarden Euro entfallen 64 % auf die Personalkosten.

Irgendetwas stimmt an dem System nicht. Aber um es zu verändern, muss man erst einmal zumindest die Grundzüge verstehen. Erst dann kann man eine – bezahlbare – Lösung auch für die Frage finden, ob es denn wirklich unvermeidbar ist, dass in deutschen Krankenhäusern jährlich bis zu 20.000 Menschen allein durch Infektionen sterben! Auch da muss etwas geändert werden. Oder?

Ihr

Erler.Nordlicht@gmx.de

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im: August-Bebel-Haus,
Gabelsbergerstr. 15, 45879 Gelsenkirchen

 



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