27.06.2011 >>> Spitzensteuersatz

Steuern sind ein erlaubter Fall von Raub.
Thomas von Aquin (Philosoph und Theologe, 1225 – 1274)

Im Zusammenhang mit den Finanzproblemen in Europa, insbesondere der Krise in Griechenland, ist in der letzten Zeit immer wieder das Wort „Marschallplan“ gefallen, also die finanzielle Unterstützung westeuropäischer Staaten durch die USA von 1948-1952. Es gibt durchaus unterschiedliche Auffassungen dazu, wie groß die Wirkung seinerzeit war, insgesamt 13 Milliarden US-Dollar – nach heutigem Wert etwa 75 Milliarden Euro – in den Wirtschaftskreislauf zu geben. Auch über die Vergleichbarkeit mit der heutigen Situation wird durchaus gestritten. Es gibt jedoch keine namhaften Darstellungen, die behaupten, der Marschallplan sei schlecht oder gar schädlich gewesen – wenn man von der damaligen heftigen Propaganda im östlichen Lager einmal absieht.

Was ich mich in diesem Zusammenhang immer wieder gefragt habe: Wo kam damals eigentlich das viele Geld her, um diese Maßnahmen durchzuführen? Der Krieg hatte doch allerorten auch wirtschaftliche Zerstörung gebracht und nicht zur Vermehrung des allgemeinen Wohlstands beigetragen.

Wenn Sie heute gefragt würden, welcher Spitzensatz bei der Einkommenssteuer damals in Deutschland erhoben wurde, werden sie wahrscheinlich mit den Achseln zucken. Und wenn Ihnen drei Alternativen angeboten werden – 55%, 75% oder 95% - würden Sie mit größter Wahrscheinlichkeit auf die falsche Antwort setzten. Oder haben Sie gewusst, dass von 1948 bis 1953 der Steuersatz für Spitzenverdiener in Deutschland 95% betragen hatte?

Damit war die Bundesrepublik keineswegs einen Weg gegangen, der in der kommunistischen Welt gepredigt wurde. Auch in den USA ist der Spitzensteuersatz nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1932, als er noch 25% betrug, zunächst auf 63% angehoben worden. Noch während des 2. Weltkriegs ist er dann auf 94% erhöht worden und blieb auch bis 1964 über 90%. Von negativen Auswirkungen oder gar einer Schwächung der damaligen Wirtschaft ist mir nichts bekannt.

Das soll nun keine Empfehlung sein, einen ähnlich hohen Steuersatz in Deutschland (wieder) einzuführen. Es besteht aber kein Zweifel daran, dass die ständigen Minderungen des Spitzensteuersatzes in Deutschland zu einer Verschiebung zu Lasten der kleineren Einkommen geführt haben. Dies scheint bei den Besserverdienern zum Teil schon ein schlechtes Gewissen aktiviert zu haben, wenn sogar aus diesen Kreisen die Empfehlung gekommen ist, die Spitze bei den Einkommenssteuern zu erhöhen.

Es wäre deshalb keineswegs ungewöhnlich und auch nicht gegen die Marktwirtschaft, umgehend einen wesentlich höheren Steuersatz für Reiche ins Auge zu fassen, zumal ja auf entsprechende Erfahrungen zurückgegriffen werden kann. Das könnte doch eine Empfehlung für Griechenland und eine Forderung in Deutschland sein. Oder?

Ihr
Erler.Nordlicht@gmx.de

Termine

 

 

Meldungen

Falls Sie Rechtsfragen haben, könnte Ihnen
diese Seite weiterhelfen.

Jusos in Gelsenkirchen

Aktiv bei Facebook    
Internetseite     
Siehe auch:     
Ückendorfer Falken (Spunk)    
Jusos in NRW     
Jusos    

Counter

Besucher:1244351
Heute:30
Online:2

WebsoziInfo-News

11.12.2018 20:45 10 Jahre Lebensmittel ohne Gentechnik sind ein großer Erfolg
Eine im Auftrag der SPD-Bundestagsfraktion erstellte Analyse zeigt, dass ‚Ohne Gentechnik‘ ein sehr erfolgreiches Marktsegment ist. Seit zehn Jahren gelten für das Label klare und strenge gesetzliche Vorgaben. Angebot und Nachfrage nach Milch, Eiern, Käse und Fleisch von Tieren, die ohne Gentechnik gefüttert wurden, wachsen weiter. „Das freiwillige Label ‚Ohne Gentechnik‘ sorgt für mehr Transparenz für

11.12.2018 20:41 Gute-Kita-Gesetz: mehr Qualität, weniger Gebühren
Der Bundestag beschließt diese Woche das Gute-Kita-Gesetz. Katja Mast sagt: Der Bund investiert 5,5 Millarden Euro für gute Kitas – und damit für gute Kinderbetreuung. „Das Gute-Kita-Gesetz kommt! Damit lösen wir unser Versprechen ein: mehr Qualität, weniger Gebühren.  Für die SPD-Bundestagfraktion ist klar: Jedes Kind muss die gleichen Chancen auf gute Kinderbetreuung haben. Dafür investiert der Bund

11.12.2018 20:37 Patienten brauchen eine sichere Versorgung mit Arzneimitteln
Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagfraktion, Sabine Dittmar, äußert sich zu den Vorschlägen zur Weiterentwicklung der Apotheken, die Gesundheitsminister Spahn heute vorgestellt hat. „Seit dem EuGH-Urteil haben wir mit der Diskussion über das RX-Versandhandelsverbot zwei Jahre verloren. Die Vorschläge, die Gesundheitsminister Spahn jetzt vorgelegt hat, sind uns teilweise gut bekannt. Wir selbst haben sie in ähnlicher Form schon vor Monaten in

09.12.2018 19:38 Europa ist die Antwort
Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, ob wir die großen Aufgaben der Zeit gemeinsam anpacken – und bewältigen. Ob wir der europäischen Idee neuen Schub geben. Oder ob der Weg zurück führt in nationalstaatliches Klein-Klein – und wir die Weltpolitik der anderen nur an der Seitenlinie kommentieren und erdulden. Um nichts weniger geht es

07.12.2018 21:15 Einrichtung einer Europäischen Arbeitsbehörde
Mit der Einigung der europäischen Arbeitsminister auf eine Europäische Arbeitsbehörde ist ein Schritt hin zu einem sozialeren Europa getan. Die Europäische Kommission hatte diesen Vorschlag unterbreitet, nun muss noch das Europäische Parlament zustimmen. „Vor einem Jahr haben die Staats- und Regierungschefs der EU beschlossen, mehr zu tun für soziale Rechte, wie den Zugang zu Sozialschutz,

Ein Service von websozis.info